12 März 2017

PERRY RHODAN und der Deutsche Phantastik-Preis

Der Deutsche Phantastik-Preis ist und war seit vielen Jahren ein echter Publikumspreis: Wer besonders viele Fans auf sich vereinen konnte, der gewann. Die literarische Qualität zählte dabei ebensowenig wie die Verkaufsauflage oder sonstige Argumente. Das war ein klares System, das zwar immer wieder kritisiert wurde, aber in sich logisch war.

In diesem Jahr nahm erstmals eine Jury ihre Arbeit auf. Wie diese gearbeitet hat, ist leider nicht sehr transparent; man weiß nichts über die Jurymitglieder oder über die Kriterien. Die Ergebnisse finde ich aus Sicht der PERRY RHODAN-Lesr durchaus spannend.

Wir haben im vergangenen Jahr mehr als hundert Romane veröffentlicht. 52 mal PERRY RHODAN-Erstauflage, 26 mal PERRY RHODAN NEO, 12 mal PR-Arkon, 12 mal PR-Jupiter, 6 mal PR-Trivid. Dazu kamen Nachdrucke wie die vier Silberbände, die zweimal zwölf Planetenromane, die Platin Edition und dergleichen. Mir ist bewusst, dass davon nicht alles gelungen war und manches veröffentlichte Werk seine Schwächen aufwies.

Interessant: Nichts davon empfand die Jury als preiswürdig oder nominierungswürdig. Man hat eine Reihe von honorigen Kollegen und ihre Werke nominiert, man hat eine Reihe von Kleinverlag- und Kleinstverlag-Publikationen nominiert. Kein einziges Werk aus dem PERRY RHODAN-Umfeld wurde nominiert.

Das gleiche gilt für die Kurzgeschichten – wir waren im vergangenen Jahr wahrscheinlich der einzige Verlag, der für Science-Fiction-Kurzgeschichten ein vernünftiges Honorar bezahlt hat. Die Jury fand davon leider keine einzige preiswürdig.

Bei den Titelbildern fällt das gleiche auf: Nominiert wurde ein Bild von Arndt Drechsler, das – bei allem guten Willen – zu den schwächeren Motiven des Künstlers zählt. Offenbar fand die Jury die anderen weit über hundert Bilder, die wir im vergangenen Jahr publiziert haben, nicht preiswürdig.

Weder wurde eines der beeindruckenden Motive nominiert, die Arndt Drechsler geschaffen hat, noch die Dutzende von starken Bildern, die von Dirk Schulz, Swen Papenbrock und Alfred Kelsner stammen. Nichts davon empfand die Jury als nominierungswürdig.

Die weiteren Rückschlüsse mag jeder selbst ziehen.

Für mich ist es klar: Als Redakteur der PERRY RHODAN-Serie, der viele Jahre beim Deutschen Phantastik-Preis mit abgestimmt hat, der ihn einmal sogar auf der Bühne mitverliehen hat, der ihn auch einige Male in Empfang genommen hat – für die Serie –, werde ich erstmals seit vielen Jahren nicht daran teilnehmen.

Kommentare:

Jim hat gesagt…

Nur an der Verleihung oder auch nicht an der neuen Veranstaltung, in deren Rahmen der DPP verliehen wird?

Und ich werfe jetzt erstmal einen Blick auf die Nominierungsliste. Das ist bisher an mir vorbei gegangen.

Anonym hat gesagt…

Schau noch mal genauer hin:
- Arndt Drechsler mit einem PR-fremden Werk
- Dirk Schulz mit dem Cover zu Arkon 5
- Kai Hirdt etc. mit dem Cross Cult PR-Comic 1
- PERRY RHODAN-TriVid wurde als beste Serie vorgeschlagen

Speziell das Letztere sollte dir doch gefallen...

Enpunkt hat gesagt…

Ich habe die Liste sehr genau angeschaut, glaub mir. Aber die Fragen bleiben: Warum wird ein schwaches Cover von PR-Arkon genommen, warum nicht eines von den guten, die wir im vergangenen Jahr publiziert haben? Wieso wird keiner von mehr als hundert Romanen nominiert, dafür aber der eine oder andere Kleinstverlag-Titel? Da darf ich mir doch Fragen nach der Arbeit der Jury stellen, oder?

Und warum man PR-Trivid als beste Serie vorschlägt, nicht aber die viel erfolgreicheren und preisträchtigeren Serien PERRY RHODAN UND PERRY RHODAN NEO, werde ich nie verstehen.

Stefan hat gesagt…

Nun ja, die Kategorien des Preises heißen jeweils "bester/bestes/beste soundso", nicht "bestverkaufte". Die Jury, die die Vorauswahl vorgenommen hat, mag da ihre eigenen Vorstellungen diesbezüglich haben. Die wiederum muss man ja nicht teilen...

Enpunkt hat gesagt…

An Stefan: Komplett richtig, keinen Widerspruch zu Deinen Aussagen.

Wenn die Jury andere Vorstellungen hat als ich, ist das völlig in Ordnung. Aber ich als Redakteur muss dann bei diesem Preis auch nicht mitmachen, oder?

Mehr habe ich ja letztlich nicht geschrieben. Die Jury kann nominieren, was sie will – und ich entscheiden dann eben so, wie ich will. (Dann kann man aber auch von mir nicht verlangen, dass ich diesen Preis öffentlich toll finden soll.)

J. hat gesagt…

Ich bin mir ja nicht ganz klar darüber, aber man kann doch nach wie vor einen eigenen Vorschlag machen, anstatt einen der Vorausgewählten an zu kreuzen. Also wenn genug EA-Leser da die EA rein wählen, dann wird die auch auf die Shortlist gelangen.

Da ist der Auswahlzettel zwar etwas unglücklich angelegt, weil suggestiv, angelegt, aber man sollte schon lesen können bevor man Inhalte von Büchern abstimmt.