19 April 2018

Die Entdeckung der Doppelnull

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

Mein Schulfreund und sein großer Bruder sind und waren die Schuldigen: Ihnen hatte ich es zu verdanken, dass ich im Sommer 1977 auf die PERRY RHODAN-Serie stieß. Ich las mich während der Sommerferien durch den »Blues«-Zyklus und lernte die Meister der Insel kennen.

Dass beide Zyklen nur in Teilen vorhanden waren, störte mich anfangs nicht so sehr, ärgerte mich irgendwann aber. Ich wollte PERRY RHODAN komplett lesen, in der richtigen Reihenfolge und von Anfang an.

Aber so einfach war das nicht. Meine Eltern hatten mir »Schundhefte« verboten. Mit meinen vierzehn Jahren verfügte ich über kein eigenes Einkommen, Taschengeld bekamen wir Kinder keines. Wie sollte ich also an Heftromane kommen? Die einzige Möglichkeit, die ich sah, war eben, irgendwann an eine kleine Arbeit zu kommen, durch die ich ein wenig Geld verdienen konnte.

Und solange ich das nicht erreicht hatte, wollte ich weiterhin Heftromane ausleihen und durchschmökern. Der Sommer ging vorüber, ich las mehrere Dutzend PERRY RHODAN-Hefte. Die Welt des Solaren Imperiums nahm mich immer mehr gefangen. Ich lernte Siganesen und Ertruser zu unterscheiden, freute mich über die Späße des Mausbibers Gucky und begeisterte mich über die Abenteuer des Cheyenne-Indianers Don Redhorse.

So langsam fühlte ich mich in diesem Universum wohl, ich kannte mich aus. Einmal in der Woche fuhr ich mit meinem Fahrrad durchs Dorf, hinauf zum anderen Hügel, dorthin, wo die »Reingeschmeckten« wohnten, also ins Neubaugebiet, wo ich die ausgelesenen Hefte ablieferte und mir einen neuen Stapel holte.

Die achte Klasse begann irgendwann, und die Schule ließ mir weniger Zeit zum Lesen. Mit Fremdsprachen hatte ich meine Probleme, vor allem Französisch erwies sich als knifflig. Meine Noten in Mathematik sackten ebenfalls ab.

Trotzdem blieb ich eifrig bei PERRY RHODAN – das erschien mir wichtiger, als zu büffeln. Ich lernte den »Schwarm«-Zyklus kennen, den es in der zweiten Auflage gab, und stieß langsam in die Hefte der ersten Auflage vor. Die »Aphilie«-Geschichten fand ich richtig toll, auch das daraus abgeleitete Abenteuer mit Perry Rhodan und der SOL.

Und ich erkannte etwas, das den zwei Brüdern offenbar bislang entgangen war: Die einzenen Autoren schrieben völlig unterschiedlich. Die beiden hatten sich weder für die Autoren interessiert noch für die großen Zusammenhänge. Deshalb war ihnen auch egal gewesen, dass sie »durcheinander« lasen. Ich mochte vor allem Geschichten mit Mutanten, und ich liebte die Romane von Clark Darlton und H. G. Ewers, weil es da gelegentlich etwas zu lachen gab.

Die nächste Entdeckung, die ich im Spätsommer 1977 machte, war tatsächlich, dass die Jubiläumsbände etwas Besonderes waren. Ein Roman mit einer »Doppel-Null« leitete einen neuen Handlungszyklus ein, und das war besonders spannend. Diese Romane schrieb meist K. H. Scheer, wie ich erkannte. Und ich beschloss, die Jubiläumsbände mit besonderem Interesse zu lesen.

Immerhin hatten die beiden Brüder in ihrem Chaos aus Heftromanen mittlerweile eine gewisse Ordnung. Dafür war ich verantwortlich. Ich sortierte die PERRY RHODAN-Hefte in Kisten, bevor ich mir einen neuen Packen auslieh, und ich sortierte die Hefte wieder sauber in die Stapel, wenn ich sie zurückbrachte. Die beiden schmunzelten über mich, aber ich wollte die Abenteuer von Perry und Gucky und Atlan so genießen, dass sie sinnvoll aufeinander aufbauten.

Ich schnappte mir »Die Straße nach Andromeda« und nahm mir diesen Roman gründlicher vor als bei der ersten Lektüre. Noch einmal ließ ich mich auf Icho Tolot ein, staunte darüber, dass die riesenhaften Haluter tatsächlich singen sollten, und folgte fasziniert der unfreiwilligen Reise der Terraner durch das geheimnisvolle Sonnensechseck.

So etwas hatte ich zuvor nicht gelesen. Die Geschichte begeisterte mich immer noch. Und weil ich wusste, wie es danach weiterging – mit dem Planeten Horror und den Kämpfen im Twinsystem –, fand ich die Lektüre doppelt spannend.

Anders ging es mir mit Band 300. »Alarm im Sektor Morgenrot« war teilweise umwerfend lustig. Das Auftreten des Freihändlerkönigs Roi Danton, das teilweise absurde Verhalten seiner Begleiter, die Reaktionen von Atlan und Perry Rhodan – darüber konnte ich schmunzeln und lachen.

Aber auch dieser Roman löste eine neue Handlungsebene aus, die ich sehr interessant fand. Über den »M 87«-Zyklus wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel, meine beiden Freunde hatten aus diesem Zyklus nur wenige Romane.

Besser stand es seltsamerweise um den »Schwarm«-Zyklus, die in der zweiten Auflage nachgedruckt worden waren. »Sie kamen aus dem Nichts« war der erste Band dieser Handlungsebene, und er vermittelte ein ganz anders Szenario: Die Menschheit wurde von einer Gefahr bedroht, mit der sie nicht rechnen konnte.

Der vierte Jubiläumsband, der bei meinen Freunden zur Verfügung stand, war Band 700. »Aphilie« war noch einmal etwas ganz anderes, das war ein Band der ersten Auflage; zu diesem Zeitpunkt noch recht frisch. Die Erde im Mahlstrom der Sterne, eine Menschheit ohne Liebe – das war ein Szenario, mit dem ich noch nicht viel anfangen konnte.

Aber ich erkannte, wie vielseitig die PERRY RHODAN-Serie war. Ich ahnte, dass noch viele Romane auf mich warteten und ich das Universum noch lange nicht komplett durchschaute. Am besten wäre es, so dachte ich in diesem Spätsommer 1977, wenn es eine vierte Auflage gäbe und ich die Serie von Band eins an lesen und vor allem sammeln könnte.

18 April 2018

Die Hooris-Prozessoren

»Dieser Körper bot ihm die Möglichkeiten eines Gottes.« Dieser Satz stammt aus dem PERRY RHODAN-Roman, der in dieser Woche erscheinen wird. Verfasst wurde er von Michael Marcus Thurner, der Roman trägt die Bandnummer 2957 und den Titel »Die Hooris-Prozessoren«. Der Autor greift damit ein Geheimnis auf, das in der Serie zum ersten Mal in Band 2900 erwähnt worden ist.

Mit Perry Rhodan ist der Sofortumschalter schlechthin als Hauptfigur dabei; ihm zur Seite steht unter anderem eine Admiralin. Was ich aber am Interessantesten fand: Der Autor erfüllt auch eine Künstliche Intelligenz mit Leben, er lässt Rhodan in einen Dialog mit einer Positronik treten.

Damit macht er das, was Science Fiction immer wieder auszeichnet: Er stellt eine Frage, die gewissermaßen hinter der Geschichte verborgen ist. Was ist Intelligenz, wie kann man sie austricksen? Und nicht zu vergessen: Was ist eigentlich Leben, was ist ein Bewusstsein, und wie kann man welche Inhalte übertragen?

Hinter einer Handlung, die viel Action schildert, transportiert Michael Marcus Thurner also Fragen, die durchaus zum Nachdenken anregen könnten. Das hat mir bei der Lektüre des Manuskriptes immer wieder gefallen.

17 April 2018

Als die Klassiker zurückkamen

Über die Geschichte der PERRY RHODAN-Hörspiele könnte man wohl ein halbes Buch schreiben, vielleicht sogar ein ganzes. Bei den Fans stehen die klassischen Europa-Hörspiele aus den 80er-Jahren immer noch hoch im Kurs. Sie wurden damals als Musik-Cassetten veröffentlicht und begeisterten Zigtausende im deutschen Sprachraum.

Im Jahr 1999 kam es zu einer Neuauflage; das Ganze nannte sich »Europa Klassiker«. Diesmal kamen die Hörspiele auf CDs heraus, das war ja auch modern.

Dazu wurde ein Prospekt gedruckt und breit gestreut. (Wir zeigen hier mal das Titelbild.) Das Prospekt war im Prinzip ein beidseitig bedrucktes Blatt im A4-Format. Neben PERRY RHODAN wurden Gruselhörspiele angeboten, die von H. G. Francis verfasst worden waren.

Diese klassischen Hörspiele gibt es übrigens immer noch. Man kann sie bei diversen Streaming-Anbietern hören. Das finde ich gut – so geraten sie nicht in Vergessenheit.

16 April 2018

Der Psi-Schlag ist in der Redaktion

Carfesch, Kytoma, Alaska Saedelaere – wer als langjähriger PERRY RHODAN-Leser diese Begriffe hört, weiß eigentlich schon, in welchem Zeitraum sie anzusiedeln sind: in der Phase nach Band 1000 der klassischen Heftromanserie, als William Voltz mit seinen Exposés seine kosmische Sicht entwickelte. Die Autoren folgten seiner Vision, und es entstanden teilweise brillante Science-Fiction-Romane.

Ich freue mich, dass wir mit den Silberbänden mittlerweile in dieser Phase der Serie angelangt sind. »Der Psi-Schlag« trägt die Nummer 142 und erscheint offiziell im Mai 2018. In der Redaktion trafen bereits die ersten Belegexemplare ein, direkt aus der Druckerei, und ich nutzte das Wochenende, um mein Buch durchzublättern.

Noch einmal geht es um die Endlose Armada, noch einmal erfahren Perry Rhodan und seine Gefährten große kosmische Geheimnisse. Die Vision der damaligen Autoren lässt sich auch im Jahr 2018 noch sehr gut lesen, denke ich ...

13 April 2018

»Der Zeitagent« auf 13 CDs

Ein Logbuch der Redaktion

Zu den klassischen Epochen der PERRY RHODAN-Serie gehört der Vorstoß der Terraner in die Vergangenheit der Erde, gut 50.000 Jahre zurück. Dabei stellen sie fest, dass es bereits vor Jahrzehntausenden eine Erste Menschheit gegeben hat, die Lemurer, deren Zivilisation aber von den sogenannten Bestien vernichtet worden ist.

Zuletzt hörte ich die Silber Edition 29 mit dem Titel »Der Zeitagent« an, gesprochen von Josef Tratnik. Dieses Hörbuch – ich hatte die Box mit den 13 einzelnen CDs im Auto – spielt in dieser Vergangenheit. Allerdings schaffen es die Terraner an Bord der CREST III immerhin, ein Stückchen in die Zukunft zu springen ...

Das möchte ich an dieser Stelle lieber nicht erklären: Wer die alten Geschichten gelesen hat, weiß Bescheid, was mit dem 500-Jahres-Sprung verbunden ist. Wer den klassischen »Meister der Insel«-Zyklus noch nicht kennt, wird von dem kleinen Zeitsprung und seinen Auswirkungen sicher überrascht sein.

Als Clark Darlton, H. G. Ewers, K. H. Scheer und William Voltz die Romane verfassten, schrieb man Mitte der 60er-Jahre. Manche wissenschaftlichen Erkenntnisse heutiger Tage lagen noch nicht vor; das erklärt einige »Holperer«, beispielsweise zur Frühgeschichte der Erde.

Als Horst Hoffmann die Romane im Jahr 1988 für die Ausgabe als Silberband bearbeitete, ließ er solche Dinge bewusst stehen. Das Original überzeugte letztlich durch spannende Geschichten, und die würden eventuell sehr verrutschen, wenn man wissenschaftliche Korrektheit nachträglich einarbeiten würde. Im Nachhinein stimme ich ihm hier absolut zu.

Vor allem zwei Schauplätze prägen die Romane, die dem Silberband zugrunde liegen, der von Eins A Medien in ein Hörbuch verwandelt worden ist. Die Handlung spielt auf der Welt Pigell, also im Wegasytem, und auf der Erde.

Unterschiedliche Figuren nehmen eine wichtige Rolle ein: Der Oxtorner Omar Hawk und sein Okrill Sherlock sind beispielsweise auf Pigell im Einsatz. Perry Rhodan und seine Begleiter haben es dort mit seltsamen Wesen zu tun, bei denen nicht sicher ist, ob es sich um Tiere handelt oder ob sie intelligent sind.

Für mich wurde die Handlung ab dem Moment richtig spannend, als Don Redhorse und seine Begleiter zu den Hauptfiguren wurden. Ich mochte den Cheyenne-Indianer schon, als ich in den 70er-Jahren zum PERRY RHODAN-Fan wurde. Auch im Hörbuch sind Redhorse und seine Gefährten richtig gute Figuren: Aus der Sicht des nicht sonderlich mutigen und eher faulen Brazos Surfat wird ein unfassbares Abenteuer erzählt.

Die Raumfahrer müssen sich auf Pigell mit allen möglichen Wesen herumschlagen. Dann schleudert sie ein Transmitter auf einen fremden Planeten – dieser erweist sich als die Erde.

Aber es ist die Erde nach dem Ende der lemurischen Zeit: Gletscher bedecken große Teile der Oberfläche, der Kontinent Lemuria ist untergegangen, und nur an einigen Stellen haben sich Überlebende halten können. Zu diesen Überlebenden zählen Mutanten, die teilweise fürchterliche Formen angenommen haben, aber ebenso Menschen, die sich nicht von den Terranern um Redhorse unterscheiden.

All diese Geschehnisse sind unterhaltsam, auch nach all den Jahrzehnten. Warum? Weil Redhorse und seine Begleiter zu der Art von Helden zählen, die voller Fehler und Widersprüchlichkeiten stecken, die sich untereinander streiten, aber dann doch zusammenhalten ...

Das hat mich vor Jahrzehnten fasziniert, als ich die entsprechenden Romane las. Und es faszinierte mich dieser Tage, als ich das Hörbuch anhörte. Wer PERRY RHODAN neu erleben will und in einen der klassischen Zyklen einsteigen möchte, dem kann ich die »Meister der Insel« nur empfehlen. »Der Zeitagent« hat's mir wieder bewiesen.

12 April 2018

Raumpiloten und ein Abstieg in die Tiefe

Er war sicher einer der Schriftsteller, die unsere Serie am stärksten prägten: Robert Feldhoff schrieb herausragende Romane, als Exposéautor sorgte er für spannende Handlungsepochen. Ich mochte darüber hinaus auch seine Taschenbücher, in denen er – losgelöst von kosmischen Themen – immer wieder zeigte, wie gut er sich im PERRY RHODAN-Universum auskannte und wie gern er sich darin bewegte.

Der letzte Band der Planetenromane-Reihe, die wir zusammen mit dem Zaubermond-Verlag verwirklicht haben, präsentiert noch einmal zwei Werke von Robert Feldhoff. Ich erinnere mich noch gut, als ich »Abstieg in die Tiefe« las; der Roman war vor meiner Zeit als Redakteur erschienen und hatte mit der ZORN-Körperschaft einen gewissen Cyberpunk-Charakter.

»Raumpiloten« hatte ich selbst als Redakteur betreut. Der Roman bildete damals den Abschluss der Planetenromane, die ich jahrelang bei Heyne und dann bei Burgschmiet gesteuert hatte. Dass er jetzt wieder den Abschluss einer Reihe von Planetenromanen bildet, finde ich da nur konsequent.

11 April 2018

Wir planten das »Allstar-Team«

Aus der Serie »Der Redakteur erinnert sich«

Im Frühjahr 2011 wurde die PERRY RHODAN-Redaktion mit ungeahnten Herausforderungen konfrontiert: Das Jubiläum zu fünfzig Jahren PERRY RHODAN stand bevor, ein WeltCon musste veranstaltet werden, und dazu wollten wir eine Sonderpublikation veröffentlichen. Wir wollten zum Jubiläum auch mit den E-Books richtig durchstarten und eine neue Serie in den Handel bringen.

Und das alles fand vor dem Hintergrund statt, dass unsere Buchhaltung im Verlag aufgelöst wurde, um künftig von der Redaktion sowie einem »externen Dienstleister« erledigt zu werden. Wir waren also alle im Dauerstress, während gleichzeitig neue Kolleginnen eingearbeitet werden mussten. Keine guten Voraussetzungen für die neue Serie, die wir intern bereits als PERRY RHODAN NEO bezeichneten.

Vor allem Frank Borsch als Exposéautor fand die Situation nicht gerade optimal. Wir hatten bislang kein offizielles »Okay« von der Konzernleitung, und er wusste am besten, dass noch viel Arbeit vor ihm stand. Es gab durchaus die Befürchtung, dass die Konzepte umsonst sein könnten.

Allerdings hatte ich eine Devise ausgegeben, an die wir uns hielten: »Wir tun jetzt mal so, als hätten wir schon das ›okay‹. Wenn sie uns stoppen, müssen wir schauen, was wir dann tun.«

Aus diesem Grund hatte Frank Borsch schon viele Kapitel des ersten Serienromans geliefert. In einem langen Telefonat, das wir am 5. April 2011 führten, legten wir fest, dass er den Roman nunmehr fertigschreiben und auch gründlich durcharbeiten sollte. Wesentliche Teile lagen seit langem vor, die kannte ich, und über diese hatten wir mehrfach diskutiert.

»Spätestens Mitte Juli brauchen wir das fertige Manuskript«, so vereinbarten wir. In der Folge würden wir alle Termine mit der Setzerei und der Herstellung, dem Lektorat und Korrektorat gut halten können.

Und wie sollte es danach weitergehen? Frank plädierte für ein »Allstar-Team«. Sein Argument: »Wenn wir mit PERRY RHODAN NEO eine neue Version der klassischen PERRY RHODAN-Serie präsentieren wollen, müssen diese Romane unbedingt von den Stammautoren verfasst werden.«

Sein Argument war, dass wir damit von Anfang an eine gute Qualität erzielen würden. Die Teamautoren kannten die Original-Serie seit Jahren, sie waren mit unserer Science-Fiction-Welt bestens vertraut. Also dürfte es ihnen nicht schwer fallen, die neuen Gesichtspunkte gut zu integrieren. Ich war damit einverstanden – und so vereinbarten wir, dass die ersten acht Romane von Teamautoren geschrieben werden sollten.

Trotzdem sollte Frank versuchen, »Autoren von außerhalb« anzusprechen. Wir sprachen über Kollegen wie Andreas Brandhorst oder Andreas Eschbach, die wir beide sehr schätzten. Vielleicht konnte es gelingen, einen in das NEO-Team einzubinden, und sei es nur für einen Gastauftritt.

Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass ich es nicht schaffen würde, den engen Kontakt zu den Autoren zu pflegen. »Was ich bei der laufenden Serie mache, kann ich bei der neuen Serie nicht auch noch leisten«, argumentierte ich. Auch Elke Rohwer, unsere neue Kollegin in der Redaktion, würde das nicht schaffen.

Also vereinbarten wir bei diesem Telefonat im April 2011, dass Frank die Autoren ansprechen, einplanen und koordinieren würde. Er sollte also nicht nur der Exposéautor sein, sondern in gewisser Weise auch der Außenredakteur. Uns war klar, dass »es bei NEO bei jedem Band einiges an inhaltlicher Koordinationsarbeit geben wird – das Ganze ist zu komplex, als dass wir mit einer Nummernshow durchkommen, bei der wir bequem in jedem Roman zu einem anderen Schauplatz springen und der Autor machen kann, was er will«.

Frank sollte intensiv mit Elke Rohwer zusammenarbeiten. Mir würde vor allem 2011 die Zeit fehlen, intensiv an den Texten für PERRY RHODAN NEO mitzuwirken – das sollte die Redakteurin machen. Sie würde zudem das Lektorat übernehmen und mit Frank über die Inhalte der Exposés diskutieren. Sie sollte die Fäden in der Hand halten, zusammen mit Frank natürlich.

»Apropos Exposés …«, sagte ich an dieser Stelle des Telefonats. Der Autor wusste Bescheid, er war schon mitten in der Arbeit. Noch im Verlauf der Woche wollte er die Exposés für die erste Handlungsstaffel liefern. Wir wollten den Schwerpunkt auf »runde und lebendige Charaktere« legen, die Technik der Raumschiffe sollte »klar und praktisch definiert« werden.

Wir waren uns einig darüber, die Politik der nahen Zukunft so realitätsnah wie möglich zu beschreiben, aber nicht zu sehr ins Detail zu gehen. PERRY RHODAN NEO sollte kein Polit-Thriller werden, sondern ein spannendes Science-Fiction-Abenteuer, eine Verneigung vor der klassischen Serie.

In unserem Telefonat schafften wir es auch, die heiklen Themen aus dem Weg zu räumen. So hatten wir vor, den ersten Roman der Serie als kostenloses E-Book anzubieten; der Autor musste hier also auf mögliche Einnahmen verzichten – aber wir fanden eine Regelung, mit der beide Seiten leben konnten.

Als ich an diesem Tag das Telefonat beendete, atmete ich tief durch. Die nächste Besprechung stand an, eine von vielen in diesen Tagen. PERRY RHODAN NEO aber war auf einem richtig guten Weg. Ich war sicher, dass wir die geplanten acht Romane veröffentlichen würden – sie würden sicher auch gut ankommen …